Das alteingesessene Radio braucht dringend Erneuerungen und Ideen, um sich dem Zeitalter anzupassen. Die beste Plattform hierfür ist das Webradio. Aus diesem Grund hat Studiengangsleiter und Initiator Prof. Dr. Föllmer den Master Studiengang Online Radio an der Martin-Luther-Universität in Halle ins Leben gerufen. Ziel ist es, den Hörfunk, wie wir ihn bis dato kennen, durch Vernetzung von neuen Technologien, Angeboten und Gebrauchsweisen grundlegend zu beeinflussen. Dieser neue Master-Studiengang hat uns alle in Aufregung versetzt angesichts der Aussicht auf neue Kollegen und wir schnappten uns Prof. Dr. Föllmer für folgende Ten QUUestions, die ihr um ca. 11:15 // 14:45 // 17:30 // 20:10 Uhr auf QUU (Wdh. Sa, 15.30 Uhr So. 12.20 Uhr), hören könnt. Schaut auch mal auf der Webseite vorbei, falls eine Radiokarriere für euch in Frage kommt.
01. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Studiengang für Web Radio zu starten?
Die Sender in Deutschland und auch in anderen Ländern sind im Umbruch, die Hörgewohnheiten ändern sich, viele Leute sind an Radioähnlichen Angeboten dran, die ganz offensichtlich eben nicht mehr das alte Radio sind. Man erlebt dort auch fehlschlagende Experimente, aber auch anregende. Ich verfolge das schon lange und hab gedacht, das muss man doch auch ausbilden. So ein Studiengang kann eben auch eine Experimentierplattform sein für Experimente in diese Richtung und genau das beides wollen wir hier machen.
02. Online Radio ist auch ein Online Studiengang. Was bedeutet das genau?
In Zahlen ausgedrückt bedeutet das die Teilnehmer nur 20% in sogenannten Präsenzveranstaltungen studieren und sonst eben online gestützt. Es gibt eine Lernplattform, wo die Inhalte aufbereitet sind. Dies bietet sich an, weil wir hier mit Audio zu tun haben, auch natürlich mit Bild und Text, die heute alle digitalisierbar sind. Bei Radio kann ich sehr viel online machen. Aus Motivationsgründen muss man sich natürlich auch treffen und dafür haben wir die Möglichkeit geschaffen, in Präsenz mit den Studierenden und den Dozenten vor Ort zu arbeiten.
03. Wer kann sich einschreiben für den Studiengang?
Einschreiben kann sich, wer einen ersten Hochschulabschluss hat. Allerdings sind wir gerade dabei, eine erste Ausnahmemöglichkeit zu entwickeln, haben auch schon erste Erfolge erzielt. Auch wer mindestens 2 Jahre Berufserfahrung im Bereich Radio, Autorschaft, Textarbeit, Multimedia hat, kann sich bewerben.
04. Was können die Studenten in diesem Semester erwarten?
In diesem Semester findet Synchronisierung statt, wir bringen die Radioerfahrenen und die Multimediaerfahrenen zusammen. Es erwartet die Studenten aber auch Theorie und Geschichte. Wir glauben dass wer Neues entwickeln will, der muss die Geschichte kennen, der muss extrahieren können um Wirkungen von neuen Konzepten abschätzen zu können.
05. Wie unterscheidet sich Ihr Studiengang zum normalen Journalismus?
Wir wollen bei Audio und Multimedia von Beginn an integriert denken. Im Grunde ist es eine Schlagrichtung, die von Anfang an sagt: Ich habe ein Produkt, das geht gar nicht mehr auseinander zu denken. Da sind übrigens Sie mit QUU.FM ein gutes Beispiel dafür, es ist meines Erachtens ein gelungenes Konzept und auch Geschäftsmodell, was von Beginn an integriert war. Das versuchen wir auch, von Anfang an in integrierten Konzepten zu denken.
06. Was kann Webradio besser als terrestrisches Radio?
Es kann besser mit weiterführenden Inhalten verknüpfen, es kann sich besser auf eine Zeit – und Ortsunabhängige Rezeption einstellen. Es bietet bessere Möglichkeiten, spezielle Nischen oder Spezialinteressen abzudecken, weil ich eben überall empfangbar bin und auf einer großen Fläche die Interessenten “einfangen” kann.
07. Gibt es im Rahmen Ihres Studiengangs einen eigenen Stream? Stichwort Praxisorientiertes Arbeiten
Wir haben einen exklusiven Studiengang, da sind relativ wenige Leute. In diesem Jahr starten knapp 10, damit könnten wir keinen Stream füllen. Wir haben Experimentalprojekte im Lehrplan, wo wir auf 1000 Mikes gehen wollen, im zweiten Semester werden die Studenten bei Praxispartnern, zum einen MDR Sputnik und die Deutsche Welle in Bonn ihre Produkte und Projekte auf Sendung schicken.
08. Wie sieht die Zukunft Ihrer Studenten aus?
Die ist meines Erachtens im hochqualifizierten Bereich. Die, die derzeit anfangen zu studieren, haben bis zu zehn Jahre Radioerfahrung. Die wissen, wie man einen Beitrag macht, wie man moderiert, wie man Redaktion betreibt. Die wollen in höhere Sphären, die wollen neue Konzepte entwickeln, die wollen auf Entwicklerebene arbeiten.
Die werden in vielen Fällen entweder als Berater tätig sein oder in Rundfunkbetrieben neue Rundfunkprodukte entwickeln.
09. Welche Rolle spielt die Social Media Branche in dem Bereich?
Eine sehr wichtige. Schon im Lehrbetrieb werden wir mit Social Media in verschiedenen Formen arbeiten.Wir werden mit Blogs, Twitter,etc arbeiten um Lernfortschritte zu reflektieren etc. Gleich im ersten Semester gibt es ein sehr umfangreiches Modul, wo es viel um Social Media geht, weil es eben einer der Kanäle ist, der zu einem integrierten Onlineradio gehört und immer stärker wird.
10. Welche Websender hören Sie privat?
Ich höre einen, der kein echter Websender ist, das wäre Last.fm, weil es für mich ein unglaubliches Wissenstool ist. Ich höre auch QUU.FM, ich höre 1000 Mikes, und ein paar Spezialangebote. In der Schweiz gibt es ein interessantes neues Projekt namens Open Broadcast, wo jeder Teilnehmer redaktionell mitarbeiten kann. Das sind momentan für mich die spannendsten Projekte.
Teil 1:
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Teil 2:
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